AUSZUG KONZERNLAGEBERICHT

Rahmenbedingungen

Mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2017) wurde ein politischer Paradigmenwechsel vollzogen. Statt wie bisher die Einspeisevergütung für erneuerbaren Strom festzulegen, wird die Vergütung nun durch Ausschreibungen am Markt ermittelt. Die Ausschreibungen für Fotovoltaik, die es seit 2015 für Freiflächenanlagen gibt, sowie die ersten Ausschreibungsrunden für Windenenergie im Jahre 2017 haben zu deutlich sinkenden Preisen geführt.

Hinsichtlich des Strommarktdesigns erteilte die Bundesregierung schon 2016 dem Kapazitätsmarkt eine klare Absage und setzt stattdessen auf die Regelungskraft des Marktes (Strommarkt 2.0). Trotzdem wurde u. a. eine Kapazitätsreserve geschaffen, um mögliche Engpässe an der Strombörse zu kompensieren. Die Einführung dieser Kapazitätsreserve hat die Europäische Kommission nach beihilferechtlicher Prüfung Anfang 2018 unter Auflagen genehmigt. 

Im Sommer 2017 trat das Gesetz zur Modernisierung der Netzentgeltstruktur (NEMoG) in Kraft. Wesentliche Inhalte sind die Abschaffung der vermiedenen Netzentgelte sowie die Einführung bundeseinheitlicher Übertragungsnetzentgelte. Des Weiteren hat die Bundesregierung Ende 2017 in der Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV) festgelegt, dass es auch weiterhin nur eine einheitliche Strompreiszone geben wird.

Die Brutto-Stromerzeugung stieg in Deutschland von 649,1 TWh im Jahr 2016 auf rund 654 TWh im Jahr 2017. Der Brutto-Inlandsstromverbrauch entwickelte sich analog von 594,6 TWh auf 600,2 TWh. Auch der Strompreis ist im Jahr 2017 gestiegen. Wegen Kernkraftwerksausfällen in Frankreich und höherer Kohlepreise zogen gegen Ende des Jahres 2017 die Preise am Terminmarkt deutlich an. So lagen die Future-Preise für Stromlieferungen Ende vergangenen Jahres für 2018 bei knapp 38 Euro/MWh und für die Jahre 2019 bis 2020 bei rund 37 Euro/MWh. Der durchschnittliche Haushaltsstrompreis lag 2017 bei 29,28 ct/kWh (Vorjahr: 28,80 ct/kWh). Der Erdgasverbrauch in Deutschland ist nach vorläufigen Zahlen des BDEW im Jahr 2017 witterungsbedingt um gut 5 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen bei erneut leicht gesunkenen Preisen für Haushaltskunden.

Geschäftsverlauf

Auch das Geschäftsjahr 2017 war für den ENTEGA-Konzern von einer zunehmenden Wettbewerbsintensität im Energievertrieb und weiterhin geringen Erzeugerpreisen für Strom geprägt. Dennoch hat sich der ENTEGA Konzern in diesem herausfordernden Umfeld gut behauptet und die bereits im Jahr 2013 begonnene Vorwärtsstrategie auch 2017 konsequent weiterverfolgt. Die für dieses Jahr vorgesehenen Ziele sind vollumfänglich erreicht worden.

Im Geschäftsfeld Erzeugung wurden Wachstumspotenziale im Bereich der Erneuerbaren weiter genutzt und der Grundstein für zukünftige Ausschreibungen gelegt. So hat der im Dezember 2016 in Betrieb genommene Windpark Hausfirste im Kaufunger Wald (Nordhessen) in den ersten Monaten des Berichtsjahres die Inbetriebnahmephase erfolgreich durchlaufen und den Regelbetrieb aufgenommen. Die ENTEGA Regenerativ GmbH hat zudem in der Nähe von Wald-Michelbach, südöstlich von Darmstadt, mit der Errichtung der fünf Windenergieanlagen für den Windpark Stillfüssel mit einer Gesamtleistung von 17,3 MW begonnen. Nach Inbetriebnahme im Jahr 2018 wird der Windpark rechnerisch mehr als 15.600 Haushalte mit Ökostrom versorgen. Im Rahmen der Fokussierung auf regionale und nationale Projekte wurde 2017 der Verkauf der drei Windparks in Frankreich mit einer Gesamtleistung von rund 33 MW erfolgreich abgeschlossen.

Auch im Geschäftsfeld Vertrieb steht weiter die Region im Mittelpunkt. In den klassischen Tarifen konnten durch die faire Weitergabe niedriger Beschaffungskosten und die konsequent durchgeführte weitere Optimierung interner Prozesse die Strompreise im Privatkundenbereich seit der Preissenkung im Jahr 2015 weiter stabil gehalten werden, ebenso die Gaspreise, die 2016 bereits gesunken waren. Neben der attraktiven Preisgestaltung hat die ausgezeichnete Servicequalität zu einem Halten des Kundenbindungsindexes als zentralem nichtfinanziellen Leistungsindikator auf dem hohen Niveau des Vorjahres geführt. Nachdem dieser Index im Jahr 2014 mit 75,6 Punkten erstmals in den Fokus gerückt wurde, konnte er kontinuierlich auf 80,0 Punkte im Jahr 2017 gesteigert werden. In der Neukundengewinnung haben die Akquisezahlen unter anderem durch die Kooperation mit der ProSiebenSat.1 Media SE unter der neuen Marke „SimplyGreen“ unsere Erwartungen deutlich übertroffen. Als Ergebnis der weiteren Zusammenführung von Energievertrieb und Telekommunikation wurde die „ENTEGA zuhause Flat“ entwickelt. Dieses Bundle-Produkt aus Strom Telefonie- und Internetflatrate wird zukünftig zu einem monatlichen Festpreis angeboten und bietet Privatkunden eine bequeme und planbare Versorgung zu günstigen Konditionen.

Im Geschäftsfeld Netze standen neben den regulatorischen Vorgaben die Vorbereitungen für die geplante Integration intelligenter Messsysteme („Smart-Meter-Rollout“) im Mittelpunkt. Zudem wurden im Rahmen des Projektes „Elektromobilität für Südhessen“ im Jahr 2017 über 100 Ladestationen in den teilnehmenden Kommunen errichtet. Als weiteres Großprojekt wurden die wesentlichen Komponenten für den Netzanschluss des Teilchenbeschleunigers FAIR in Wixhausen bei Darmstadt fertiggestellt.

Darstellung der Lage des Konzerns

Beim Stromabsatz war 2017 die an Endkunden gelieferte Menge mit einem Volumen von 5,8 Mrd. kWh rückläufig (Vorjahr: 6,5 Mrd. kWh). Der Gasabsatz an Endkunden belief sich auf 4,5 Mrd. kWh und lag damit leicht über dem Niveau des Vorjahres mit 4,4 Mrd. kWh. Im Großhandelsbereich wurden hingegen deutlich größere Mengen als im Vorjahr gehandelt, hier ist ein Anstieg von 2,3 Mrd. kWh auf 5,0 Mrd. kWh im Bereich Strom und von 0,25 Mrd. kWh auf 0,41 Mrd. kWh im Bereich Gas zu verzeichnen.

Der ENTEGA-Konzern generierte im Geschäftsjahr 2017 eine Gesamtleistung von 1.598,2 Mio. Euro (+0,8 %). Die Umsatzerlöse stiegen um 5,7 Mio. Euro bzw. 0,4 % trotz der Entkonsolidierung der französischen Windparkgesellschaften, die im Vorjahr noch mit 4,5 Mio. Euro zu den Konzernumsätzen beigetragen hatten. Letzteres wurde im Geschäftsfeld Erzeugung durch die Inbetriebnahme des Windparks Hausfirste ausgeglichen. Zudem wurde der durch Preis- und Mengeneffekte um 79,4 Mio. Euro bzw. 7,0 % gesunkene Umsatz im Geschäftsfeld Vertrieb überkompensiert durch einen mehr als doppelt so hohen Umsatz (+88,6 Mio. Euro) im Geschäftsfeld Handel.

Proportional zur Gesamtleistung stieg der Materialaufwand um 11,8 Mio. Euro bzw. 0,9 % auf 1.257,8 Mio. Euro. Der Rohertrag stieg entsprechend im Jahresvergleich leicht um 1,0 Mio. Euro auf 340,5 Mio. Euro.

Die sonstigen betrieblichen Erträge in Höhe von 43,4 Mio. Euro (Vorjahr: 32,7 Mio. Euro) sind in beiden Jahren stark von Einmaleffekten geprägt. Im Geschäftsjahr 2017 konnten Erträge aus dem Verkauf von Beteiligungen in Höhe von 13,5 Mio. Euro vereinnahmt werden. Im Vorjahr waren in dieser Position Erträge aus Zuschreibungen und Verkäufen von Beteiligungen in Höhe von 12,0 Mio. Euro enthalten. Zudem fielen die Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen mit 23,7 Mio. Euro deutlich höher aus als im Vorjahr mit 11,5 Mio. Euro.

Im ENTEGA-Konzern belaufen sich die Personalaufwendungen des Geschäftsjahres 2017 auf insgesamt 157,9 Mio. Euro, was einen Anstieg zum Vorjahr von 16,5 Mio. Euro bzw. 11,7 % darstellt. Während sich die durchschnittliche Mitarbeiteranzahl von 1.988 auf 1.962 leicht verringerte, ist der höhere Aufwand im Wesentlichen auf das Absinken des Zinssatzes für die Abzinsung der Pensionsrückstellungen zurückzuführen, nachdem im Vorjahr im Rahmen einer Änderung der gesetzlichen Grundlagen dieser Zinssatz einmalig geringfügig gestiegen war.

Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen befinden sich 2017 mit 124,7 Mio. Euro wieder auf einem höheren Niveau als im Vorjahr (+12,0 %). Dieser Anstieg von 13,3 Mio. Euro beruht im Wesentlichen auf Einmaleffekten. In den Vorjahren waren die sonstigen betrieblichen Aufwendungen seit 2013 kontinuierlich gesunken, und auch das Niveau des Jahres 2017 liegt unter Berücksichtigung der außerordentlichen Aufwendungen um 22,2 % unter dem des Jahres 2013.

Das Beteiligungsergebnis als Summe der Erträge aus Beteiligungen und Ausleihungen sowie dem Aufwand aus der Abwertung derselben hat sich mit einem Saldo von 16,0 Mio. Euro deutlich verbessert im Vergleich zum Vorjahreswert von -3,1 Mio. Euro. Ursächlich hierfür ist, dass in beiden Geschäftsjahren Abwertungen auf Beteiligungen im Bereich der regenerativen Erzeugung vorgenommen wurden, die allerdings im Jahr 2016 um 16,7 Mio. Euro höher ausfielen.

2017 erwirtschaftete der ENTEGA-Konzern somit in Summe ein EBIT von 73,0 Mio. Euro (Vorjahr: 74,0 Mio. Euro) und erreicht damit deutlich mehr als den Planwert von 66,6 Mio. Euro. Auch der Jahresüberschuss liegt mit 26,5 Mio. Euro (Vorjahr: 22,3 Mio. Euro) entsprechend über den geplanten 20,1 Mio. Euro.

Ausblick

Nach der bislang längsten Phase von Koalitionsverhandlungen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hat die neue Bundesregierung Mitte März 2018 ihre Arbeit aufgenommen. Welche Ziele die neue Bundesregierung in der Energiepolitik verfolgen wird, lässt sich bislang nur ansatzweise aus dem Koalitionsvertrag ableiten.

Die neue Bundesregierung will den Ausbau der erneuerbaren Energien weiter forcieren, so soll der Anteil der erneuerbaren Energien bis 2030 sogar auf 65 % steigen. Für das Jahr 2018 rechnen die Übertragungsnetzbetreiber mit einem weiteren Zubau von Erneuerbaren-Anlagen in Höhe von 8.000 Megawatt. Ob sich dieser Trend aufgrund des neuen Ausschreibeverfahrens fortsetzt, ist derzeit noch offen. Eine weitere Neuerung für 2018 betrifft die technologieübergreifenden Ausschreibungen. In einer dreijährigen Pilotphase wird es gemeinsame Ausschreibungen von Windenergieanlagen an Land- und Solaranlagen geben.

Um die Energiewende zum Erfolg zu führen, müssen die Stromnetze ausgebaut werden. Bei den Übertragungsnetzen kommt der Ausbau allerdings nur langsam voran. Im Koalitionsvertrag wird ein ambitionierter Maßnahmenplan zur Optimierung der Bestandsnetze und zum schnelleren Ausbau der Stromnetze angekündigt. So sollen beispielsweise das Netzausbaubeschleunigungsgesetz novelliert und vereinfacht, der Einsatz von Erdverkabelung verstärkt und die Bestandsnetze mithilfe neuer Technologien und der Digitalisierung optimiert werden. In diesem Zusammenhang wurde die besondere Rolle der Verteilnetzbetreiber hervorgehoben. Dafür möchte man den Regulierungsrahmen so weiterentwickeln, dass Investitionen in intelligente, digitale Lösungen möglich werden.

Die Sektorenkoppelung wird in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Mit ihr kann die Dekarbonisierung auch in den Sektoren Wärme, Industrie und Verkehr vorangebracht und gleichzeitig die volatile Verfügbarkeit regenerativer Stromerzeugung ausgeglichen werden. Durch Technologien wie beispielsweise Power-to-Heat, Power-to-Gas oder die direkte Stromspeicherung in Batteriespeicher kann Überschussstrom aus regenerativen Anlagen effizient genutzt werden.

Kaum ein anderes Stichwort kommt im Koalitionsvertrag so häufig vor wie „Digitalisierung“. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur wird als entscheidender strategischer Standortfaktor betrachtet. Die neue Bundesregierung hat sich hier das Ziel gesetzt, Deutschland bei der digitalen Infrastruktur an die Weltspitze zu führen. Bis 2025 soll der flächendeckende Ausbau mit Gigabit-Netzen erreicht werden – von einem Rechtsanspruch auf Breitband ist sogar die Rede.

Der Wettbewerbsdruck auf Kraftwerksbetreiber dürfte indes weiterhin hoch und die Strompreise entsprechend niedrig bleiben. Auch für die Gaspreise sehen Experten für 2018 kein signifikantes Aufwärtspotenzial.

Der ENTEGA-Konzern sieht sich vor dem Hintergrund dieser rahmenwirtschaftlichen Entwicklungen auch in den kommenden Geschäftsjahren mit seiner klimafreundlichen Energiegewinnung, seinem innovativen Produkt- und Dienstleistungsportfolio und seiner Digitalisierungsstrategie gut positioniert.

Die Maßnahmen, die im Rahmen der „Vorwärtsstrategie“ definiert wurden, werden weiter verfolgt und nach positiven Effekten im abgeschlossenen Geschäftsjahr auch im Jahr 2018 weitere positive Ergebniseffekte erzielen.

Im Geschäftsfeld Erzeugung werden im Jahr 2018 die dezentrale Energieerzeugung insbesondere über die Kopplung des Strom- und Wärmesektors weiter ausgebaut. Das regenerative Geschäft soll weiter durch die Entwicklung vielversprechender Onshore-Standorte ausgebaut werden.

Für das Jahr 2018 ist im Geschäftsfeld Vertrieb mit einem weiteren Anstieg des Wettbewerbs zu rechen. Die zunehmende Dynamik in der Marktentwicklung wird sich fortsetzen, dabei werden insbesondere neue Produkt- und Vertriebsansätze, auch in Form von Kooperationen, stärkere Bedeutung erlangen. Wichtige Trends sind die Einführung von Smart Meter, das Bündeln der klassischen Tarife mit Hardware und Flatrates sowie das Einbinden von Kunden in Communitys. Zu den Wachstumsfeldern E-Mobilität und Eigenerzeugung ist auch eine weitere Digitalisierung der heutigen Produkte und Services eingeplant. Im Bereich Telekommunikation wird mit der Einführung von ENTEGA TV und Vectoring im Nahbereich im Jahr 2018 ein attraktives Angebot entstehen.

Für das Geschäftsfeld Netze steht in der Zukunft insbesondere die Anpassung an veränderte regulatorische Rahmenbedingungen im Fokus. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Planung und Durchführung des „Smart-Meter-Rollouts“ sein.

Die Konzernumsatzerlöse werden sich im Geschäftsjahr 2018 voraussichtlich auf 1,6 Mrd. Euro belaufen. Aufgrund der 2018 erstmals nicht mehr notwendigen Zuführung zu Rückstellungen in Bezug auf die Belastungen aus langfristigen Strombezugsverträgen wird trotz höheren Personalaufwands für das EBIT ein Anstieg auf rund 76 Mio. Euro erwartet. Der Jahresüberschuss wird mit einem Wert zwischen 24 und 25 Mio. Euro das gute Ergebnis des Jahres 2017 bestätigen.