AN UNSERE
STAKEHOLDER
Vorwort von Dr. Marie-Luise Wolff
VORWORT
DR. MARIE-LUISE WOLFF

Verehrte Aktionäre, sehr geehrte Geschäftspartner,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

das Jahr 2019 war ein besonderes Jahr. In der Geschichte der Energiewende stellt es eine Zäsur da: Kohleausstieg und Klimapaket – das sind die zwei bedeutendsten Schritte auf dem Weg zu einer klimaneutralen Gesellschaft, die seit langer Zeit gemacht wurden. Und es sind Schritte, mit denen die Energiewirtschaft in Deutschland vor weitere bedeutende Herausforderungen gestellt wird – die größten seit dem Beschluss zum Ausstieg aus der Kernenergie. Das gilt auch für ENTEGA, obwohl wir seit Langem schon auf Atomstrom verzichten und mittlerweile zu 100 Prozent Ökostrom aus erneuerbaren Energien bzw. klimaneutrales Gas anbieten.

Um auf diesem Weg aber weiter konsequent vorangehen zu können, brauchen wir entsprechende Rahmenbedingungen – zum Beispiel bei den Vorgaben zum Bau von Windrädern. Anders als in vorangegangenen Jahren, haben wir unsere Kapazitäten auf diesem Gebiet 2019 nicht ausbauen können. Denn: Veränderte Regulierungen und gesetzliche Vorgaben machen das zunehmend schwierig.

In Südhessen etwa sind die Möglichkeiten, mehr neue Windkraftanlagen zu errichten, eingeschränkt. Die neuen Bestimmungen etwa zum Mindestabstand von Siedlungen verhindern das oder aber der Abstand zum Drehfunkfeuer der Deutschen Flugsicherung.

Für uns als „Wegbereiter der Energiewende“ – ein Titel, den uns der TÜV Süd mehrere Jahre in Folge verliehen hat – ist das bedauerlich. Aber wir lassen uns nicht entmutigen. Wir sind sicher: Auf mittlere und lange Sicht gibt es zu den erneuerbaren Energiequellen Sonne, Wind und Wasser keine Alternativen. Und wir sind überzeugt: Nur wenn die Energiewende ein Erfolg wird, haben wir als Gesellschaft eine Zukunft. Das ist unsere Haltung.

Sie ist für uns von so grundlegender Bedeutung, dass wir das Thema „Haltung“ in diesem Jahr zum Leitthema für unseren Geschäftsbericht gemacht haben – wohl wissend, dass der Begriff dieser Tage nicht wenigen Menschen verdächtig vorkommt. Sie fragen sich, ob heutzutage nicht allzu oft faktenbasierte und verantwortungsvolle Entscheidungen zugunsten einer rein gesinnungsethisch verstandenen „Haltung“ unterlassen werden. Nach dem Motto: Gut gemeint ist bereits gut gemacht.

Das sehen wir bei ENTEGA ganz anders. Haltung ist für uns ein wichtiges und faktenorientiertes Konzept. Denn als Energieversorger tragen wir sehr konkrete Verantwortung – nicht nur für das Klima, sondern auch für die Sicherheit und Bezahlbarkeit von Strom, Gas und Wasser. Mehr als eine Million Kundinnen und Kunden in ganz Deutschland vertrauen in dieser Hinsicht auf uns. Und das heißt: Haltung ist für uns immer auch eine unternehmerische Tugend. Sie ist nicht das Gegenteil von Fakten und Tatsachen. Sie basiert darauf.

,,Haltung ist für uns ein wichtiges und fakten­orientiertes Konzept. Denn als Energieversorger tragen wir sehr konkrete Verantwortung – nicht nur für das Klima, sondern auch für die Sicherheit und Bezahlbarkeit von Strom, Gas und Wasser."
Dr. Marie-Luise Wolff Dr. Marie Wolff
Vorsitzende des Vorstandes

Haltung führt in unserem Verständnis zu konkretem Verhalten: Weil wir den Klimaschutz ernst nehmen, investieren wir und handeln. ENTEGA kauft ja nicht nur Öko-Zertifikate, sondern stellt klimafreundlichen Strom selbst her. Hier wollen wir mittelfristig die Menge an Ökostrom, die wir an unsere Privatkunden liefern, mit den von uns betriebenen Anlagen produzieren. Bislang sind wir an 226 Windrädern und mehr als 275.800 Quadratmetern installierter Photovoltaik-Module beteiligt, zusätzlich betreiben wir drei Wasserkraftwerke und zwei Biogasanlagen – das alles kostet bares Geld und verlangt hochmoderne Kompetenz.

Allein 2019 hat ENTEGA rund 110 Millionen Euro investiert, das meiste davon für technische Anlagen, insbesondere für unsere Netze, für die Qualifizierung unserer über 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für neue Prozesse, die unser Unternehmen fit machen für die Zukunft. Und das heißt: Wir lassen uns unsere Haltung etwas kosten. Wir treiben den Wandel voran, den wir in der Welt für nötig halten, und als Unternehmer sind wir bereit, die wirtschaftlichen Risiken zu tragen, die damit verbunden sind. So wird Haltung zu einem konkreten Konzept, das sich auch im betrieblichen Alltag niederschlägt.

Unter dem Titel TOP FIT 2023 etwa haben wir 2019 damit begonnen, das gesamte Unternehmen so stark zu machen, dass wir unsere Haltung auch unter den Bedingungen von Markt und Wettbewerb auf Dauer bewahren können. Dazu haben wir beispielsweise neue Bereiche wie das Daten & Leadmanagement oder unsere neuen, agilen Produktentwicklungsteams auf den Weg gebracht. Sie unterstützen Fachleute aus allen anderen Bereichen dabei, ihre Arbeit in Zukunft noch effizienter, noch kundenorientierter und noch profitabler zu gestalten.

Nach außen haben wir unter dem Namen ENTEGA Plus unsere Kundenschnittstelle zentralisiert, um auf die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden noch besser eingehen zu können. Gleichzeitig haben wir 2019 mit der Fusion von e-netz Südhessen GmbH & Co. KG und ENTEGA Netz AG einen Meilenstein auf dem Weg zum modernen Netzmanagement erreicht. Die e-Netz Südhessen AG bündelt jetzt die Fachkompetenz für Energienetze, für energietechnische Anlagen und Infrastruktur mit dem Eigentum an den Verteilnetzen für Strom und Erdgas in einem Unternehmen. Das Unternehmen wird sich den weiter wachsenden Herausforderungen an einen wirtschaftlichen Netzbetrieb selbstbewusst stellen. Im Konzernverbund gilt es, die dezentrale Energiewende mit unseren Konzessionskommunen erfolgreich zu gestalten. Denn zukunftsfähige Netze sind das Fundament unseres Erfolgs und die Bedingung für weiteres Wachstum.

So wie man nur auf soliden Grundlagen ein hohes Gebäude errichten kann, so erfordern die Zukunftspläne der ENTEGA eine stabile und moderne Netzarchitektur – bei der Stromversorgung ebenso wie beim Ausbau unseres Fernwärmenetzes, im Bereich Wasser oder auch bei Drittgeschäften, in die wir künftig deutlich mehr intensivieren wollen. Schließlich arbeiten bei ENTEGA erfahrene Spezialisten, die auch im Planungs- und Baugeschäft, in der Betriebs- und Netzführung oder bei Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten am Markt gefragt sind.

Und auch in Sachen Digitalisierung hat ENTEGA 2019 erneut zugelegt: Insgesamt 850 neue Glasfaseranschlüsse haben wir gemeinsam mit der Deutschen Glasfaser in der Region realisiert. Darüber hinaus haben wir 350 neue Wohnungen in der Darmstädter Lincoln-Siedlung an das schnelle Glasfasernetz angeschlossen. Das bedeutet: Unsere Kunden können dort mit bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde im Internet surfen – rund zehn Mal so schnell wie bei herkömmlichen Anschlüssen.

Ausgezahlt haben sich all diese Anstrengungen für eine rundum moderne und klimafreundliche Infrastruktur auch in unternehmerischer Hinsicht. Denn: Für ENTEGA war das Jahr 2019 erneut ein erfolgreiches Jahr.

Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) betrug 81,1 Millionen Euro – 28,8 Prozent weniger als 2018. Dies ist allerdings in erster Linie auf einen positiven Sondereffekt zurückzuführen, der uns im Vorjahr ein Rekordergebnis bescherte. Seit sich der Konzern mit Anlaufen der Vorwärtsstrategie im Jahr 2013 neu aufgestellt hat, konnten nur in den Jahren 2014 und 2018 höhere Werte für diese Kennzahl erreicht werden, in beiden Jahren allerdings aufgrund einmaliger Sondereffekte. Dies gilt auch für den Jahresüberschuss, der mit 28,6 Millionen Euro ebenfalls eine Bestmarke erreichte, die in dem genannten Zeitraum nur 2018 höher ausfiel. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote verringerte sich leicht von 12,2 auf 12,1 Prozent.

Möglich war dies auch 2019 nur, weil mehr als 2.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ENTEGA sehr konkret „Haltung gezeigt“ und sich für die Ziele des Unternehmens persönlich eingesetzt haben. Dafür danke ich Ihnen im Namen des gesamten Vorstands sehr herzlich und verbinde mit diesem Dank die Hoffnung, dass dieses Engagement auch das laufende Jahr wieder prägen wird. Es handelt sich dabei um eine gelebte Haltung für den klimapolitischen und gesellschaftlichen Wandel, als dessen Treiber sich ENTEGA versteht und dem sich auch bei uns immer mehr junge Menschen anschließen.

36 Auszubildende haben 2019 ihre berufliche Laufbahn bei ENTEGA begonnen. Insgesamt sind damit derzeit 111 junge Frauen und Männer bei uns in Ausbildung. Ihren Erfolg vorausgesetzt, versprechen wir allen die anschließende Übernahme in eine Festanstellung bei ENTEGA. Denn wir wissen: Kompetenter Nachwuchs entscheidet über den Erfolg von morgen. Auch deshalb genießt das Thema Ausbildung bei uns seit jeher einen hohen Stellenwert, der 2019 auch von externen Fachleuten bestätigt wurde: Als einziges Unternehmen der Region Rhein/Main wurde ENTEGA vom Magazin „Focus Money“ in die Rangliste „Deutschlands beste Ausbildungsbetriebe 2019“ aufgenommen – und landete damit bundesweit unter den Top Ten.

In einer Zeit, die zwischen der älteren und der jüngeren Generation wieder Gräben entstehen lässt, freut uns diese Anerkennung in besonderer Weise. Wenn wir dennoch eine gute Zukunft schaffen wollen, kommt es vor allem auf eines an: dass wir einander zuhören und im Gespräch bleiben.

Unterschrift Dr. Marie-Luise Wolff

Dr. Marie-Luise Wolf

Vorsitzende des Vorstandes