AGILITÄT

DIE KRAFT DER VIELEN

Ein Fischschwarm ist anders. Höchst beweglich und flexibel – und irgendwie doch auch unergründlich. Es gibt offenbar keinen, der immer das Sagen hat. Und doch arbeiten die Individuen auf einzigartige Art und Weise zusammen – und profitieren alle zusammen von der Gemeinschaft.

Wie organisiert man eine Gruppe von vielen Individuen? Diese Frage stellt sich nicht nur um Tierreich, sondern auch in Unternehmen, in der Schule oder im Sportverein. Eine bewährte Lösung ist: Es gibt Vorgesetzte, Erzieher oder Vereinsvorsitzende, die mit einem Führungsteam die Richtung des Kollektivs vorgeben. Das nennt man dann eine hierarchische Organisation. Aber was passiert, wenn sich das bekannte Umfeld ganz plötzlich ändert und unklar ist, in welche Richtung es gehen muss? Was kann eine Gemeinschaft tun, wenn ganz neue Lösungen erdacht werden müssen – wenn man der Konkurrenz also immer einen Schritt voraus sein muss? Das sind dann Zeiten, in denen es weniger auf Stabilität oder Effizienz ankommt, sondern vor allem auf Agilität, Dynamik und Kreativität. Unter solchen Bedingungen ist es von Vorteil, wenn es weniger Regeln gibt und die Gruppe nicht in Hierarchien denkt, sondern versucht, gemeinsam und auf neue Art gute Lösungen zu finden. Wenn man will, kann man das dann auch Schwarmintelligenz nennen – mit einfachen Regeln und einer dezentralen Struktur.

WO IST DER NÄCHSTE TELLERRAND?

ENTEGA schafft Raum für mehr Agilität im Unternehmen. Damit wird nicht gleich alles anders. Am Ende aber  wollen die agilen Methoden und Werte zu einem Wandel der gesamten Unternehmenskultur führen.

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DER RICHTIGE MIX FÜR DEN NÄCHSTEN HIT

Wer neue Ideen hervorbringen will, sollte sich mit anderen zusammentun. Gerade wenn eine Fülle von verschiedenen Erkenntnisse und Fähigkeiten, aber auch Nachwuchskräfte und erfahrene Mitarbeiter in einem Team zusammenkommen, ist der „kreative Output“ häufig am höchsten. Aber wie stellt man ein solches „ideales Team“ zusammen? Und wie bleibt es auf Dauer innovationsfreudig und kreativ?

Welche Rolle spielt die Zusammenstellung von Teams für den Erfolg einer Organisation oder eines Unternehmens? Diese Frage hat den US-Wirtschaftssoziologen Brian Uzzi beschäftigt. Sein Untersuchungsgebiet: der Broadway in New York und fast 500 Broadway-Musicals, die zwischen 1945 und 1989 dort aufgeführt wurden. Schließlich sind Kreativität und Erfolg dort besonders eng miteinander verbunden. Das Ergebnis seiner Forschungen: Ob ein Stück eher konventionell ausfällt oder innovativ und damit erfolgreich wird – das hängt vor allem davon ab, wie gut die Akteure innerhalb der kreativen Szene vernetzt sind. Denn gab es keinen oder nur geringen Austausch zwischen den Kreativen, gab es meist nur einen wenig erfolgreichen Abklatsch des bereits Gesehenen. Gab es hingegen zu viel Austausch und damit kaum Grenzen zwischen den Teams, ging die Kreativität ebenfalls zurück und alle machten schlicht dasselbe. Das „ideale Team“ ist daher nach Uzzi eine gut gemischte Gruppe – aus etablierten erfahrenen Kräften, einigen Neulingen, die eher unbefangen mit neuen Ideen umgehen, und aus Personen, die den Markt im Blick haben und wissen, was funktionieren kann. Aber: Ist die Arbeit des Teams vom Erfolg gekrönt, kommt es darauf an, das Team mutig wieder neu zusammenzustellen. Erfolgreiche Teams deshalb so zu belassen, wie sie sind, weil sie einmal erfolgreich waren – das ist ein Fehler, der auch am Broadway immer wieder vorgekommen ist.

FAHRSPASS WIE IM AUTOSCOOTER

Jorge Nuñez lässt seinen Diesel stehen. Für eine Woche fährt er ein Elektroauto. Das begeistert nicht nur den Experten für Energienetze auf Anhieb, sondern lässt sogar Pferde besser schlafen. 

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UND...
ACTION!

Wie gelingt Veränderung? Wie schafft man etwas Neues? Und wie findet man den eigenen Weg? Fragen über Fragen – und beileibe keine leichten Antworten. Auf der Suche nach Lösungen kann der Blick in andere Branchen und Disziplinen helfen – zum Beispiel der Blick in die Kunst.

Ab 1947 gerät in einer Scheune in Long Island die Kunstwelt in Bewegung: Ein Maler legt seine Leinwände plötzlich auf den Boden und den Pinsel zur Seite. Der Amerikaner Jackson Pollock begründet das „Action Painting“ und damit gleich eine neue Kunstrichtung, den abstrakten Expressionismus. Seine Werke kennzeichnen eine bis dahin beispiellose Vitalität und Leidenschaft – sie sind kraftvoll, voller Originalität und Spontanität. Man sieht ihnen regelrecht an, wie sie entstanden sind. Und auch Pollock selbst ist stets in Bewegung: Er probiert vieles aus, orientiert sich an der Kunst von Indianern und anderen Künstlern, lernt neue Techniken, hat keine Scheu, das eigene Tun immer wieder in Frage zu stellen. Und wer weiß, vielleicht kann er mit all dem sogar für Unternehmen in der heutigen Zeit ein Vorbild sein, ganz nach dem Motto: die Reaktion auf neue Herausforderungen ist ein Anfang, der Mut zur eigenen Aktion aber ist noch besser!

EIN GROSSER SCHRITT NACH VORNE

Mehr Sicherheit, weniger Staus, eine noch effizientere Verwaltung – eine Stadt in eine Digitalstadt zu verwandeln, sollte vor allem den Bürgerinnen und Bürgern nutzen. In Darmstadt hat man dieses Ziel fest im Blick und arbeitet mit Hochdruck daran, es zu erreichen.

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ES GEHT VORAN!

Wie organisiert man ein Unternehmen – zentral oder eher dezentral? Sicher, auch zentral geführte Organisationen haben immense Vorteile. Wenn allerdings – wie in Zeiten der Digitalisierung – mehr Flexibilität, Schnelligkeit und Kundennähe gefragt sind, können vor allem die dezentralen Organisationen ihre Vorzüge ausspielen.

Seesterne sind faszinierende und auch ein wenig rätselhafte Tiere. Sie haben keinen Kopf, kein Gehirn und keine Knochen. Verblüffend ist daher vor allem ihre Fortbewegung. Denn wie kommt man voran, wenn es keinen Kopf gibt, der sagt, wo es lang geht? Beim Seestern lautet die Antwort: Indem einer der Arme mit seinen kleinen Saugfüßchen einfach den „ersten Schritt“ macht und dann die anderen davon überzeugt, diesen Weg mitzugehen. Reine Mitläufer allerdings sind die anderen Arme deswegen noch lange nicht, denn auch sie können jederzeit die Führung übernehmen. Und: Wenn durch einen Räuber oder einen Unfall einer oder mehrere Arme abgetrennt werden, dann kann aus jedem Teil des Ganzen unter Umständen ein vollkommen neuer Seestern entstehen. Auf diese Weise sind die Seesterne so etwas wie Musterbeispiele für dezentrale Organisationen. Schließlich gilt auch in der Wirtschaft: Nicht immer ist die zentrale Lösung die beste. Es geht auch anders. Wer mehr Autonomie wagt, der kann davon entscheidend profitieren – besonders in Zeiten, die mehr Bewegung und Agilität erfordern.

VON BEWEGTEN ZELLEN UND EINEM CHEFKOCH

Mit dem Pioneer Fund fördern die ENTEGA NATURpur Institut gGmbH und die TU Darmstadt ausgewählte Forschungsprojekte an der Universität. Noch bewegen sie sich im „vorwettbewerblichen“ Bereich, aber das Potenzial für die Praxis ist erheblich. 2017 sind die ersten vier Vorhaben an den Start gegangen.

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DEM ZUFALL AUF DIE SPRÜNGE HELFEN

Wer als Kind vom Fahrrad gefallen ist, weil er viel zu schnell um die Ecke gebraust ist, der weiß: Aus Erfahrung wird man klug! Was aber passiert, wenn Erfahrungen und Routinen eher hinderlich sind, weil sich die Umstände gravierend verändern haben. Dann kann es sein, dass die Erfahrung neuen Lösungen eher im Wege steht.

Folgendes Experiment: In einer leeren Glasflasche sind eine Biene und eine Fliege eingesperrt. Der Flaschenhals ist nicht verschlossen, die Tiere können hinausfliegen. Jetzt wird die Flasche mit dem Flaschenboden nach oben ins Sonnenlicht gehalten – die rettende Öffnung befindet sich nun also unten, vom Licht abgewandt. Finden die Tiere noch den Weg nach draußen? Die Biene krabbelt unaufhörlich oben am Flaschenboden herum, sucht ihn nach einer Öffnung ab. Denn: Sie weiß, dass es hilft, dem Licht entgegenzufliegen. Allerdings scheitert das Vorhaben in diesem Fall, denn nach oben gibt es kein Entkommen. Die Fliege hingegen fliegt planlos umher – und findet den rettenden Ausgang eher zufällig. So überlebt sie, während die Biene stirbt. Dieses Experiment aus der Innovationsforschung zeigt: Mitunter kann es falsch sein, den eingeübten Routinen und Erfahrungen „blind“ zu folgen. Und das gilt vor allem in Krisenzeiten – wenn die Verhältnisse auf dem Kopf stehen. In solchen Momenten hilft „Kollege Zufall“ manchmal mehr als gelernte Routine.

EINE FRAGE DER HALTUNG

Wer etwas in Bewegung bringen will, der muss wissen, wo er steht und wo er herkommt. Schnell laufen und auch mal die Richtung ändern, das kann schließlich nur der, der zunächst fest auf beiden Beinen steht und über starke Muskeln verfügt. Auch ENTEGA hat die Quellen und die Grundlagen für mehr Agilität daher stets im Blick – Gesundheit zum Beispiel, Weiterbildung für alle und ein gutes Arbeitsklima. Denn so gelingt Veränderung am besten: indem alle mitkommen und an alle gedacht wird.   

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NEUE TÖNE

Große Orchester und Big Bands brauchen eine Partitur und einen Dirigenten, der alles zusammenhält. Das funktioniert bestens, ist aber nicht sehr flexibel – ein Zusammenhang, den auch hierarchisch gegliederte Unternehmen kennen. Wollen sie beweglicher werden, brauchen sie mehr Tempo, Individualität und Improvisation.

Hierarchisch aufgebaute Organisationen haben viele Vorteile – auch in der Musik. Das gilt für klassische Orchester, aber auch für Big Bands, wie sie beim Swing der 1930er- und 1940er- Jahre beliebt und berühmt waren: Jeder Musiker hatte seinen klar definierten Platz, jeder kannte seine Aufgabe und jeder hatte die Noten vor sich. Damit war jeder ein Teil des großen Ganzen – statt der Improvisation von Solisten zählte in der Big Band das Zusammenspiel im Satz. Und vorn stand der Bandleader, der sagte, was gespielt wird. Ganz anders im Bebop, der ab 1940 die Grundlagen des modernen Jazz legte: Hier herrschte enorm viel Tempo, hier dominierten die Improvisation und das freie Spiel, hier gab es keine Noten mehr, sondern den Mut, sogar noch während des Spiels das Neue zu wagen. In Zeiten, in denen auch in der Wirtschaft immer mehr Schnelligkeit und Innovationskraft gefordert sind, müssen auch Unternehmen „mehr Bebop wagen“. Zwar braucht es nach wie vor Führungskräfte und Strukturen, aber auch mehr Improvisation, mehr Bewegung und Spontanität. Anfangs klingt das nicht immer gut, aber es macht Freude und führt zu ganz neuen Klängen.

2017
Highlights

Ein bewegtes und bewegendes Jahr! Auch 2017 hat ENTEGA wieder zahlreiche Projekte und Initiativen auf den Weg gebracht, weiterverfolgt oder abgeschlossen. Immer ging es darum, weiter voranzukommen: bei der Energiewende, der Mobilität, im Klimaschutz oder beim gesellschaftlichen Engagement in der Region. Die folgenden Seiten geben einen Überblick über die Highlights des Jahres. 

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VON ALLEN SEITEN

Was genau geht eigentlich vor sich? Um für eine Angelegenheit das richtige Gespür zu entwickeln, ist es wichtig, mehr als nur eine Perspektive einzunehmen. Am besten betrachtet man die Sache, um die es sich dreht, von allen Seiten – und das im ganz wörtlichen Sinne: indem man sich selbst um die Sache herum bewegt: 360 Grad.

Erzähler in der Literatur können in ihre Figuren „hineinsehen“. Sie berichten nicht nur über Handlungen ihrer Charaktere, sondern auch über deren Gefühle. Im Film hingegen erzählen die Bilder selbst: Ausstattung, Licht, Ton und natürlich die Kunst der Schauspieler verleihen dem Zuschauer Einblick in die inneren Welten der Akteure. Eine Schlüsselrolle spielen dabei die Kamera und der Mann (oder die Frau) dahinter: Was sie sehen, ist das, was wir sehen – und fühlen. Als der Kameramann Michael Ballhaus im Jahr 1974 für seinen Regisseur Rainer Werner Fassbinder die zwielichtige Annäherung eines Paares in Szene setzen sollte, griff er zu einem bis dahin kaum beachteten Stilmittel der Kamerakunst und machte es in der Welt des Kinos populär: die sogenannte Kreisfahrt! Dabei umrundet eine Kamera die Protagonisten in einem 360-Grad- Kreis und erzeugt so eine optische Sogwirkung. Man versteht: Die Menschen auf der Leinwand geraten in etwas hinein, das stärker ist als sie selbst und ihnen gefährlich werden kann wie ein Strudel. Doch erst die eigene Bewegung macht aus einem bewegten Moment einen bewegenden Anblick.