Energiewende

G4-DMA

Die Völkergemeinschaft hat (endlich) auf den Klimawandel reagiert. Mit der Pariser Vereinbarung verpflichten sich erstmals nahezu alle Länder zum Klimaschutz. Der Vertrag gibt das Ziel vor, die durch Treibhausgase verursachte Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Die 195 Länder wollen sogar versuchen, unter 1,5 Grad zu bleiben. Langfristig sollen nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, wie gleichzeitig zum Beispiel von Wäldern wieder aufgenommen werden können. Der Vertragstext wird weltweit als starkes Signal zur Abkehr von den fossilen Energieträgern Kohle, Öl und Gas gewertet. ENTEGA hat die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannt und nachhaltig auf erneuerbare Energiequellen gesetzt und ist weit vor der politischen Entscheidung aus der Atomkraft ausgestiegen. Die Bundesregierung hatte sich bereits vor Paris das Ziel gesetzt, den CO2-Ausstoß bis 2050 um mindestens 80 Prozent zu reduzieren.

ENTEGA hat den für die Energiewirtschaft einschneidenden Transformationsprozess mit Weitblick und Entschlossenheit in Angriff genommen. Deutlich vor fast allen Versorgungsunternehmen und als es den Begriff „Energiewende“ noch gar nicht gab. Damit haben wir einen deutlichen Know-how-Vorsprung erworben.

Als eines der nachhaltigsten deutschen Energieunternehmen wollen wir die Energiewende aktiv mitgestalten: den Umbau des Energiesystems zur nachhaltigen Reduktion von CO2-Emissionen unter Beibehaltung von Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit. Wir nehmen die Herausforderungen an und werden die daraus erwachsenden Chancen für uns und die gesamte Region Rhein-Main-Neckar unternehmerisch nutzen.

Daraus leiten sich für ENTEGA vier Handlungsfelder ab:

  1. Ein besonders hoher Anteil erneuerbarer Energien bei der Erzeugung und Lieferung: Wir erleichtern es Privatkunden und Unternehmen, ihren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Er ist weder teuer noch kompliziert. Denn unsere Ökostrom-Tarife bestehen aus erneuerbaren Energie. Sie ist CO2-frei und wird bereits seit 2008 ohne Atomstrom erzeugt. So werden Kunden automatisch Teil einer großen Klimaschutzbewegung und treiben gemeinsam die Ziele der Energiewende voran. Wir gewinnen sauberen Strom aus Wasserkraft, Biomasse, Wind- und Sonnenenergie.
  2. Wir erhöhen die Anteile erneuerbaren Energien: Es lohnt, nachhaltig in die Zukunft zu investieren. Weil nicht Worte, sondern Taten zählen, setzen wir heute auf die Energie von morgen. Zum Beispiel in die Errichtung und den Betrieb des Offshore-Windparks Global Tech I. Der im September 2015 in Betrieb genommene Windpark wird allein mit dem Anteil der ENTEGA rund 132.600 Haushalte in Deutschland mit erneuerbarer und grüner Energie versorgen. So können etliche Tonnen CO2 eingespart werden. Und das ist nur der Anfang. Denn bisher haben wir schon über 800 Millionen Euro in Projekte zur Gewinnung erneuerbarer Energie investiert.
  3. Die bewusste Senkung des Rohstoff- und Energieverbrauchs: Wir stehen nicht nur für Ökostrom. Seit über 150 Jahren sind wir auch ein kompetenter Partner für die Energiefragen unserer Kunden. Wir beraten sie und helfen ihnen, mit unseren Produkten und Dienstleistungen Energie einzusparen, ohne dass sie auf Komfort verzichten müssen. So hilft unser Energiemanagement-Portal Unternehmen durch modernste Technik, Stromfresser zu entlarven, Energie zu sparen und Steuern zu senken. Privat- und Geschäftskunden bieten wir die Möglichkeit, ihren eigenen Strom zu erzeugen. Neueste Serviceleistung: Privat- und Geschäftskunden können Solaranlagen zum monatlichen Fixpreis pachten. So fallen hohe Investitionskosten weg. ENTEGA übernimmt zudem Wartung und Instandhaltung der gesamten Anlage.
  4. Mehr Flexibilisierung der Systeme zur Energieversorgung: Sich weiterzuentwickeln ist unabdingbar für eine nachhaltige Zukunft. Deshalb arbeiten wir mit unseren Kunden an neuen Wegen in der Energieversorgung. So haben wir beispielsweise mit dem Reifenhersteller Pirelli einen Quantensprung in der Energieeffizienz der Reifenproduktion erreicht. Denn die Industriegasturbine im Werk von Pirelli wurde mit unserer Hilfe energetisch so modernisiert, dass sich nicht nur kosten- und energieeffizienter arbeitet, sondern gleichzeitig die thermische Energie der Abgase in Heizenergie umwandelt.

Durch diese Modernisierung können jährlich enorme Kosten und rund 5.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Dieses Projekt ist ein Musterbeispiel dafür, dass Wirtschaft und Klimaschutz kein Widerspruch sind. Ganz im Gegenteil. Effizienzsteigerung wird für Unternehmen immer wichtiger und ENTEGA findet individuelle Lösungen, die Ziele der Energiewende in bestehende Geschäftsmodelle zu integrieren.

Das zeigt auch das Vorhaben der Solarsiedlung „Am Umstädter Bruch“. Dort werden im Zuge eines Forschungsprojekts der ENTEGA Überschüsse von Solarenergie in einem Quartierspeicher gesichert. Die Erfahrungen im Speicherbetrieb werden wissenschaftlich begleitet, ausgewertet und so aufbereitet, dass sie später allen angeschlossenen Haushalten zur Verfügung gestellt werden können. So können Kunden an unseren Erkenntnissen teilhaben, noch effizienter mit Energie umzugehen.

ENTEGA ist seit Ende 2015 Träger des TÜV SÜD Siegels „Wegbereiter der Energiewende“. Bisher wurden nur vier von deutschlandweit 1.000 Energieunternehmen mit diesem Siegel ausgezeichnet. Und zwar deshalb, weil sie auf die Ziele der Energiewende aktiv hinarbeiten, Standards konsequent erfüllen und neue Maßstäbe setzen.

Die Energiewende hat umfassenden Einfluss auf unser Kerngeschäft, von der Erzeugung über den Handel und die Verteilung bis hin zum Vertrieb. Sie wird zwar primär von der Politik forciert, aber auch zunehmend von Technologie und Markt getrieben:

  • Der ordnungspolitische Rahmen unterliegt aktuell massiven und erratischen Eingriffen seitens des Gesetzgebers und der Regierung. Es findet eine intensive Diskussion zwischen Unternehmen, Verbänden und Politik statt. Hier gilt es, die in Diskussion befindlichen Modelle hinsichtlich ihrer möglichen Auswirkungen auf ENTEGA zu analysieren und unseren Standpunkt in die Diskussion einzubringen.
  • Technologische Umbrüche erfordern spezifisches Know-how, das für unsere Branche vor der Energiewende wenig bis keine Relevanz hatte. Wir haben dennoch frühzeitig begonnen, die­ses Know-how aufzubauen und ermöglichen damit einen hohen Grad an interner Innovation. In den Zeiten vor der Energiewende konnte man das Energiesystem mit einer Einbahnstraße vergleichen: Auf den oberen Netzebenen wurde an wenigen zentralen Stellen Strom erzeugt, eingespeist und über die Verteilnetze an die Verbraucher weitergeleitet. Schon heute führen zunehmend dezentrale Einspeisungen auf den unteren Netzebenen in Verbindung mit neuen Technologien zur (teil-)autarken Versorgung mit Strom dazu, dass die Energieflüsse im System mehrdirektional und instabiler werden. Mit anderen Worten: Die Wertschöpfungsstufen Erzeugung und Netz können nicht mehr isoliert betrachtet werden und Entscheidungs­vorgänge werden komplexer.
  • Wir bieten unseren Kunden ökologisch hochwertige und gleichzeitig preiswerte Pro­dukte und Dienstleistungen für ein atomstromfreies und klimafreundliches Leben und Arbeiten. Innerhalb der Energiewirtschaft sehen wir uns als Innovationstreiber in Sachen Ressourcen­schonung und Energieeffizienz. ENTEGA Energie bietet den Kunden eine Vielfalt an Energie­effizienzangeboten. Es werden Produkte entwickelt, die individuell auf den Kunden zugeschnitten sind und einen effizienteren Umgang mit Energie sichern.
  • Der Markt wird durch Eingriffe der Politik stark beeinflusst. Zum Beispiel ist es durch die Subventionierung der erneuerbaren Energien zu Überkapazitäten auf dem Markt gekommen und damit zu einem Preisverfall. Zudem wird im neuen System Flexibilität und wetter­unabhängige Versorgungssicherheit immer wichtiger. Für diese Systemdienstleistungen ist jedoch noch eine passende Markt- bzw. Handelsplattform zu etablieren.

Die zunehmende Komplexität und Frequenz von strategischen Entscheidungen ist dabei nicht nur eine Frage von Know-how und Prozessen, sondern auch von (Entscheidungs-)Kultur und Veränderungsmanagement.

Um unter diesen Rahmenbedingungen langfristig den strategischen Erfolg der ENTEGA sicherzustellen, haben wir im Kontext der Energiewende ein auf zwei Gremien, dem Energiewirtschaftsboard und der energiewirtschaftlichen Arbeitsgruppe, basierendes System etabliert, das in einem koordinierten Prozess relevante Umfeldinformationen erfasst, analysiert und in Entscheidungen umsetzt.

Die energiewirtschaftliche Arbeitsgruppe besteht aus Vertretern der Kern-Geschäftsfelder Erzeugung, Handel, Vertrieb, Netz und der Unternehmensentwicklung. Sie tragen monatlich Informationen aus Politik, Verbänden und öffentlich zugänglichen Quellen (Presse etc.) zusammen, analysieren und bewerten strategische Chancen und Risiken, leiten daraus Vorschläge für das Energiewirtschaftsboard ab.

Quartalsweise
Energiewirtschaftsboard
Entscheidung über die Positionierung
Priorisierung zu untersuchender Themen
Vorstand und Leiter der relevanten Geschäftsfelder bzw. Zentralbereiche
Monatlich
Energiewirtschaftliche Arbeitsgruppe
Analyse und Bewertung
Entwicklung von Entscheidungsvorschlägen
Vertreter der relevanten Geschäftsfelder bzw. Zentralbereiche:
Erzeugung, Handel, Vertrieb, Netz, Unternehmensentwicklung
  • Politik
  • BDEW/VKU/...
  • Presse
  • etc.

Dem Energiewirtschaftsboard gehören die Leiter der oben genannten Geschäftsfelder und der
Gesamtvorstand an. Es tagt quartalsweise und entscheidet basierend auf den Vorschlägen der energiewirtschaftlichen Arbeitsgruppe über die Positionierung der ENTEGA und die Priorisierung der zu untersuchenden Themen. Dabei ist es auch Aufgabe des Vorstands, die Effektivität unseres Managementansatzes zur Gestaltung der Energiewende zu bewerten.

Auch wenn es vorrangig ist, relevante Änderungen der politisch-regulatorischen Rahmen­bedingungen frühzeitig zu erkennen und zu analysieren, ist nicht allein Ziel, strategische Risiken zu vermeiden. Vielmehr wollen wir die Energiewende aktiv gestalten. Daher nutzen die in der energiewirtschaftlichen Arbeitsgruppe und im Energiewirtschaftsboard vertretenen Verantwortlichen Informationen auch zur Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und damit zur ganzheitlich zukunftssicheren Positionierung der ENTEGA im Wettbewerb.

Die Energiewende gestalten wir bereits seit Jahren und damit deutlich früher als viele Wett­bewerber. Aus dieser starken Position heraus war es uns möglich, Prozesse so zu gestalten, dass strategische Entscheidungen systematisch getroffen und alle relevanten Akteure einbezogen werden.