00

Wuuusch! Schon ist er vorbei. Ein Radfahrer überholt uns auf dem Fahrradweg, während wir mit dem Auto wieder mal im morgend­lichen Stau feststecken. Bewegung zahlt sich eben aus, würde er uns wohl sagen. Würde er, wäre er nur nicht so schnell aus unserem Blick­feld verschwunden.

Überhaupt „Agilität“, mehr Bewegung – das ist schon ein ganz gutes Konzept.

Nicht nur auf dem Weg zur ­Arbeit. Fragen Sie mal Ihren Arzt. Be­wegung macht fit, bringt uns ­voran und führt uns – wenn wir den Mut haben – auch auf neue Wege. Agiler und noch aktiver zu werden, das heißt ja auch, sich neue Wege zu erschließen und sie dann auch zu gehen. Bekannte Pfade eröffnen jedenfalls nur ganz selten neue Perspektiven.

Dabei ist das Konzept der „Agilität“ zwar derzeit in aller Munde, aber natürlich gar nicht neu. Schon seit jeher gilt es in der Kunst, im Sport und auch in der Technik. Ganz nach dem Motto:

Nur wer sich bewegt, kommt weiter, und nur der kann auch das Neue in die Welt bringen.

Selbst in der Tierwelt ist es bekanntermaßen eine gute Über­lebensstrategie, agiler und beweglicher als andere zu sein. Fressen und gefressen werden – da ist es schon von Vorteil, schneller zu sein.

Auch ENTEGA ist in Be­wegung. Wir wollen agiler werden und weiter und schneller vorankommen, gerade angesichts der großen Herausforde­rungen, vor denen wir stehen: der Digitalisierung und der Energiewende.

Beides verändert unsere Welt von Grund auf – und auch ENTEGA muss sich daher weiter verändern.

Das Konzept der „agilen Organisation“ verstehen wir dabei nicht nur als einen neuen Prozess oder ein weiteres neues Manage­menttool.

Agilität bedeutet für uns einen Wandel im Denken, in der gesamten Führungs- und Unternehmenskultur. Wir wollen veränderungsbereiter werden, noch unter­nehmerischer denken, neue Produkte und Dienstleistungen noch schneller entwickeln und dazu das Wissen und die Kraft aller nutzen.

Wir wollen nicht im Schritt­tempo vorankommen – wir ­wollen ­gemeinsam mehr Fahrradspur ­wagen. Weil Agilität für uns 2017 und auch gegenwärtig eine so zentrale Rolle spielt, haben wir den neuen Geschäftsbericht diesem Thema gewidmet.

Wir möchten Sie mitneh­men auf eine Reise in die Welt der Fischschwärme, der Malerei und des modernen Jazz, aber vor allem in die Welt von ENTEGA – Ihrem Energiedienstleister aus der Region!

DIE KRAFT DER VIELEN

Ein Fischschwarm ist anders. Höchst beweglich und flexibel – und irgendwie doch auch unergründlich. Es gibt offenbar keinen, der immer das Sagen hat. Und doch arbeiten die Individuen auf einzigartige Art und Weise zusammen – und profitieren alle zusammen von der Gemeinschaft.

Wie organisiert man eine Gruppe von vielen Individuen? Diese Frage stellt sich nicht nur um Tierreich, sondern auch in Unternehmen, in der Schule oder im Sportverein. Eine bewährte Lösung ist: Es gibt Vorgesetzte, Erzieher oder Vereinsvorsitzende, die mit einem Führungsteam die Richtung des Kollektivs vorgeben. Das nennt man dann eine hierarchische Organisation. Aber was passiert, wenn sich das bekannte Umfeld ganz plötzlich ändert und unklar ist, in welche Richtung es gehen muss? Was kann eine Gemeinschaft tun, wenn ganz neue Lösungen erdacht werden müssen – wenn man der Konkurrenz also immer einen Schritt voraus sein muss? Das sind dann Zeiten, in denen es weniger auf Stabilität oder Effizienz ankommt, sondern vor allem auf Agilität, Dynamik und Kreativität. Unter solchen Bedingungen ist es von Vorteil, wenn es weniger Regeln gibt und die Gruppe nicht in Hierarchien denkt, sondern versucht, gemeinsam und auf neue Art gute Lösungen zu finden. Wenn man will, kann man das dann auch Schwarmintelligenz nennen – mit einfachen Regeln und einer dezentralen Struktur.

01

FISCHSCHWARM

Ob zehn Fische oder mehrere Tausend: Im Schwarm zu leben, bietet dem einzelnen Fisch jede Menge Vorteile. Schließlich vollbringen Schwärme Leistungen, die dem einzelnen Tier so nicht möglich sind. Fische finden im Kollektiv einfacher Nahrung. Sie erkennen ihre Fressfeinde früher und können ihnen auch schneller entkommen. Und selbst die Fortpflanzung kann erfolgreicher sein.

„SCHWARM
EXPERIMENT"

Ein „Schwarm-Experiment“ mit Menschen hat gezeigt, dass sie in Gruppen ein ganz ähnliches Verhalten wie Tiere an den Tag legen. Nur zehn Menschen konnten in dem Versuch eine „schwärmende“ Gruppe von 200 Personen in eine bestimmte Richtung lenken, indem sie gezielt und gemeinsam die gleiche Richtung einschlugen – wie beim Fischschwarm fünf Prozent! Feste Führungsrollen gibt es im Schwarm allerdings nicht –wer führt hängt davon ab, welches Ziel ins Auge gefasst wird. “


Wer bestimmt eigentlich, wohin ein Fischschwarm schwimmt? Forscher haben herausgefunden, dass dazu nur fünf Prozent der Fische eine gemeinsame Richtung einschlagen müssen. Das reicht aus, um den Schwarm zu lenken – bleibt die Menge darunter, hat sie in der Regel keinen Einfluss auf den Schwarm. Anders sieht es aus, wenn sich ein Räuber nähert. Selbst wenn der Feind nur von einigen wenigen Fischen entdeckt wird, diese ihr Verhalten daraufhin aber ganz plötzlich sehr stark ändern, dann folgt auch hier der gesamte Schwarm.

Fische in einem Fischschwarm folgen meist nur zwei einfachen Regeln. Sie lauten:

Mehr braucht es nicht, um sich wie von Zauberhand im Kollektiv zu bewegen – und die Vorteile des Schwarms nutzen zu können. Aber im Schwarm zu leben, das heißt keineswegs, immer nur in der Masse mitzuschwimmen. Entdeckt ein einzelner Fisch zum Beispiel einen Räuber oder eine neue Nahrungsquelle, dann kann seine Bedeutung für die Gemeinschaft stark steigen.


Damit man überhaupt von „Schwarmintelligenz“ sprechen kann, müssen dem Verhaltensbiologen Professor Jens Krause von der Humboldt-Universität zu Berlin zufolge drei Bedingungen erfüllt sein: Einzelne Individuen sammeln unabhängig voneinander Informationen. Sie verarbeiten diese Informationen in sozialen Interaktionen. Und dann lösen sie auf diese Weise ein kognitives Problem.

Den wohl größten Fischschwarm der Welt bilden Sardinen, die sich jedes Jahr von Südafrika nach Mosambik auf dem Weg in ihre Laichgewässer befinden: Der Schwarm misst bis zu 15 Kilometer in der Länge und bis zu einen Kilometer in der Breite.

Damit sind die Sardinen
sogar aus dem All zu
erkennen.

Abermillionen von Tieren bilden auf diese Weise quasi einen gigantischen Riesenorganismus, der ihnen vor allem Schutz vor Fressfeinden bietet.