WO IST DER NÄCHSTE
TELLERRAND?

ENTEGA schafft Raum für mehr Agilität im Unternehmen. Damit wird nicht gleich alles anders. Am Ende aber sollen die agilen Methoden und Werte zu einem Wandel der gesamten Unternehmenskultur führen.

Einer, den das Konzept
der Agilität überzeugt hat:
Christian Schuhmacher,
Leiter Kundenbindung.

„Es geht um einen Kulturwandel im
gesamten Unternehmen, hin zu noch mehr Kundenorientierung, Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft.“

José David da Torre Suárez, Product Owner der agilen Initiative 

Neue Ideen im Fokus

Blaue, rote oder grüne Zettel an den Wänden, einige Stehtische, Hocker und mächtige schwarze Ohrensessel, Wörter wie „Burn Down Chart“, „Sprint Review“ oder „Sprint Backlog“, ein speisetellergroßer Wecker auf dem Tisch – die agile Welt kann anfangs schon ziemlich fremd und verwirrend daherkommen. Zumindest haben diesen Eindruck wohl die meisten, die sich zum ersten Mal in dieser Welt bewegen. Und das gilt auch für den Besucher, der an einem Donnerstag im März in einem der neuen agilen Räume der ENTEGA zu Gast ist. Diese vier Räume, die es an verschiedenen Standorten gibt, sind allerdings nicht nur anders eingerichtet als herkömmliche Büros oder Meetingräume, hier wird auch anders gearbeitet: flexibel, interdisziplinär und selbstorganisiert. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen zumeist – und sitzen weniger. Sie präsentieren mit farbigen Post-its, nicht mit PowerPoint. Und sie haben eine exakte Zeitvorgabe für ihre Präsentationen – dann schreitet der so genannte „Scrum Master“ ein, der minutiös auf den Zeitablauf achtet. „New Work“, die neue Arbeitswelt – hier bekommt man einen Eindruck, was das konkret bedeuten kann.

Die Mitglieder der „agilen Initiative“ der ENTEGA jedenfalls scheinen mit dieser neuen Welt bereits bestens vertraut zu sein. Und das müssen sie auch, schließlich wollen sie das Thema Agilität als Vorreiter im gesamten Unternehmen etablieren. Die Auftaktveranstaltung der agilen Initiative war im Mai 2017. Das Ziel dieses Scrum-Projekts ist es seither, die Akzeptanz für agile Methoden im Unternehmen weiter zu erhöhen, gute Voraussetzungen für agiles Arbeiten zu schaffen, den Austausch der agilen Projektteams untereinander zu verbessern und ein Verständnis für die agilen Werte zu schaffen.

Die Scrum-Methode – wohl die bekannteste und auch bei ENTEGA die bisher am häufigsten genutzte agile Methode – eignet sich besonders gut für Projekte, in denen nicht nur Lösungswege unbekannt sind, sondern auch die Probleme noch nicht vollständig erfasst wurden. Das Wort Scrum steht dabei als Synonym für das Gedränge auf einem Rugby-Platz, und zwar genau für den Moment, in dem der Ball vom Schiedsrichter ins Spiel gebracht wird – ein zunächst undurchschaubares Gewimmel der Möglichkeiten, aus dem sich aber zahlreiche neue Spielzüge und Gewinnchancen ergeben können. Wenn die Scrum-Methode in einem Unternehmen zum Einsatz kommt, können die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zunächst frei mit neuen Ideen umgehen und sie erproben. Einwände und Kritik bleiben zunächst außen vor, um auch ungewöhnlichen Ansätzen und Vorschlägen eine Chance zu geben. In zeitlich genau festgelegten Zeitintervallen („Sprints“) gehen die Teammitglieder dann den definierten Aufgaben nach – ohne dabei unterbrochen oder kontrolliert zu werden. Dann folgt in einem „Sprint Review“ das Feedback der „Product Owner“, also der Auftraggeber. Gemachte Erfahrungen werden berücksichtigt, Änderungswünsche eingebaut – und der nächste Sprint kann beginnen. So nähert man sich schrittweise und immer wieder nachjustierend dem Ergebnis.

Beschäftigte erhielten 2017 einen Einblick in die Scrum-Methode.

An diesem Nachmittag klappt das schon fast mühelos. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der agilen Initiative wirken hochmotiviert. Sie wissen: Hier entsteht etwas Neues, das ENTEGA weiter verändern wird – und zwar weit über die Grenzen der eigens eingerichteten agilen Räume hinaus. „Die Methoden helfen uns dabei, Produkte schneller zu entwickeln und auf ganz neue Ideen zu kommen. Im Grunde geht es aber um weit mehr. Es geht um einen Kulturwandel im gesamten Unternehmen, hin zu noch mehr Kundenorientierung, Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft“, sagt José David da Torre Suárez, Geschäftsführer von COUNT+CARE und einer der drei „Product Owner“ der agilen Initiative.

„Jeder soll die Chance erhalten, die agilen Methoden näher kennenzulernen.“

Jürgen Grund, Product Owner der agilen Initiative 

Konzentrierte Diskussionen, konzentriertes Zuhören

Von Sprint zu Sprint

Eine enge Zeitvorgabe hat jedes Team, um die in den vergangenen Wochen in den jeweiligen Sprints erarbeiteten Ergebnisse vorzustellen. In den einzelnen Projekten beschäftigen sich die Teams mit so unterschiedlichen Aspekten wie der Organisation eines agilen Events für das Mitarbeiterfest oder mit einem Schulungskonzept in puncto Agilität für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens. In einem ersten „Digital Bootcamp“ hatten zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Konzerns im Juli 2017 bereits die Gelegenheit, verschiedene agile Methoden wie „Design Thinking“ oder „Scrum“ kennenzulernen und praktisch auszuprobieren. Zusätzlich haben fast 200 Beschäftigte im Jahr 2017 die Gelegenheit genutzt, sich in einem Kurzformat einen Einblick in die Scrum-Methode zu verschaffen. „Jeder soll die Chance erhalten, die agilen Methoden näher kennenzulernen. Nur so kann man schließlich in der täglichen Arbeit entscheiden, in welchem Fall sie eingesetzt werden können und wann nicht“, betont Jürgen Grund, ebenfalls „Product Owner“ der agilen Initiative und Bereichsleiter Personal der ENTEGA AG. „Darüber hinaus soll aber auch der Funke der Agilität überspringen.“

„Agilität ist ein wichtiger Aspekt zur Zukunftssicherung unseres Unternehmens.“

Artur Mertens, Product Owner der agilen Initiative

Im „Sprint Review“ werden die Ergebnisse präsentiert.

Insgesamt nehmen an dem monatlichen Treffen der agilen Initiative immer rund zehn bis zwölf Personen teil – die acht Mitarbeiter der agilen Initiative aus verschiedenen Unternehmen selbst und in der Regel auch einige Stakeholder, also Kunden oder Anwender. Geleitet wird das Meeting vom „Scrum Master“ Uwe Quicker, der dafür zuständig ist, dass alle Rollen und Arbeitsweisen eingehalten werden. Verantwortlich für die agile Initiative sind die Product Owner, hier neben José David da Torre Suárez und Jürgen Grund noch Artur Mertens, Bereichsleiter Unternehmensentwicklung der ENTEGA AG. Und dieses Trio ist es auch, das nach der Präsentation der einzelnen Teams und der folgenden Diskussion die erlösenden Worte sprechen darf, wenn die Ziele erreicht wurden: „User Story abgenommen“. Damit ist die Arbeit aber noch nicht zu Ende, denn wenn die weiteren Aufgaben verteilt sind, startet bereits der nächste Sprint.

Das Konzept der Agilität stammt aus der Softwareentwicklung. Es geht zurück auf das sogenannte „Manifest für agile Softwareentwicklung“, das bereits 2001 veröffentlicht wurde. Der Kerngedanke damals: Vorrang hat immer der Austausch von Menschen untereinander – der Plan, Prozess oder das eingesetzte Werkzeug hingegen haben das Nachsehen. Denn die Realität in der Softwareentwicklung sah in jener Zeit meist so aus: Die Teams folgten einem einmal ausgearbeiteten detaillierten Plan, um dann möglicherweise nach Monaten festzustellen, dass sich die Verhältnisse verändert haben und das Ergebnis nicht mehr den Kundenwünschen entspricht.

Weil man diese Erfahrung aber auch aus anderen Bereichen kannte, wurde das Konzept der Agilität später auf das Management von Organisationen übertragen. „Agile Organisationen sind geprägt durch genauere Sicht auf die Wünsche der Kunden, durch mehr Transparenz und Offenheit“, sagt Artur Mertens. Und Jürgen Grund ergänzt: „Wir können Prototypen viel schneller erproben und in kurzen Zyklen immer weiter verbessern. Wir nähern uns schrittweise einer Lösung, und zwar mehr experimentell als theoretisch und planvoll. Wenn die Lösungen nichts taugen, sehen wir das sehr viel schneller als bisher, weil wir sie ganz konkret in der Praxis testen – und nicht lediglich am Schreibtisch entwerfen.“

„Agile Organisationen sind
geprägt durch genauere
Sicht auf die Wünsche der
Kunden, durch mehr
Transparenz und Offenheit.“

Artur Mertens, Product Owner der agilen Initiative

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lernten
im Juli 2017 im ersten „Digital Bootcamp“
verschiedene agile Methoden kennen.

Auch das ist agiles Arbeiten: eigene Ideen aufschreiben, dann präsentieren.

„Wenn die Lösungen
nichts taugen, sehen
wir das sehr viel
schneller als bisher.“

Jürgen Grund, Product Owner der agilen Initiative

Bereits erfolgreich umgesetzt

Aber ENTEGA beginnt nicht bei Null. Schon seit mehreren Jahren nutzt das Unternehmen vereinzelt agile Methoden. Ob bei ENTEGA Energie, der ENTEGA AG oder COUNT+CARE – überall haben Teams bereits erfolgreich umgesetzt, was nun noch weiter im Konzern verbreitet werden soll. Bei COUNT+CARE zum Beispiel wurde innerhalb von zwei Jahren die Kundenbetreuungssoftware HELIX entwickelt – ein Programm, das heute täglich von rund 300 Menschen im Konzern genutzt wird. Mit Erfolg: HELIX hat bereits viele Prozesse verbessert, optimiert und automatisiert. „Ich arbeite schon viele Jahre in der Softwareentwicklung. Aber ich habe noch selten ein Projekt gesehen, das so gut und problemlos umgesetzt werden konnte. Etwas, was sich auch bei anderen agilen Projekten der Softwareentwicklung bei uns immer mehr zeigt“, betont José David da Torre Suárez.

Die Erfahrung zeigt allerdings auch, dass Agilität kein Allheilmittel für alle Probleme oder Projekte ist. Speziell bei Projekten, wo Ziele und Prozesse klar definiert sind, eignen sich herkömmliche Methoden besser, um Fortschritte zu erzielen. „Insgesamt gesehen ist Agilität aber ein wichtiger Aspekt zur Zukunftssicherung unseres Unternehmens“, ist Artur Mertens überzeugt. „In einer Zeit der Transformation brauchen wir die Orientierung an der eigenen Identität und müssen den berühmten Blick über den Tellerrand wagen – und zwar noch deutlich öfter als bisher. Und dann müssen wir den Mut haben, die neu entdeckten Wege auch zu gehen.“

Überzeugt vom Konzept der Agilität ist auch Christian Schuhmacher, Leiter Kundenbindung und „Product Owner“ der Weiterentwicklung der ENTEGA-Produktwelt Zuhause. Jeden Mittwoch kommt er mit anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Unternehmen ebenfalls in einem der agilen Räume in Darmstadt zusammen, um agil an neuen Produkten zu arbeiten. „Raus aus dem Büro, raus aus den üblichen Prozessen und hinein in eine neue Arbeitsumgebung mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Unternehmensbereichen – das alles ist einfach ungeheuer belebend für unsere Arbeitsprozesse und um auf neue Ideen zu kommen“, so der 31-Jährige. Die neue Welt – sie ist vielfach schon da.

Ganz besonders wichtig: Die Bedürfnisse der Kunden im Blick behalten.

Start-ups
im Fokus

Mit einer guten Idee allein ist es längst nicht getan. Gerade Gründer von Start-ups haben oft mit Schwierigkeiten zu kämpfen, um aus einem ersten Konzept ein gewinnbringendes Produkt zu machen, das dann am Markt bestehen kann. Denn zuweilen fehlen die Möglichkeiten, die neuen Technologien oder Anwendungen unter Praxisbedingungen zu erproben, manchmal fehlen die Beziehungen zu Experten – und vielfach einfach auch das notwendige Startkapital.

Genau hier setzt das Start-up-Programm der ENTEGA AG an. Es dient dazu, Gründer auf ihrem zuweilen beschwerlichen Weg zu unterstützen und jungen Unternehmen beim Start in die Selbstständigkeit zu helfen. Dabei reicht die Unterstützung vom umfassenden Mentoring, dem Angebot von geeigneten Räumen (dem sogenannten „Co-Working-Space“), einem umfassenden Experten-Netzwerk aus Wirtschaft und Forschung bis hin zur finanziellen Förderung. Zudem bietet ENTEGA den Gründern die Möglichkeit, ihre Ideen und Technologien – immer im Rahmen des Datenschutzes und der rechtlichen Vorgaben – in späteren Projektphasen auch unter realen Bedingungen zu erproben. Nicht zuletzt veranstaltet ENTEGA Start-up-Meetings wie zum Beispiel das von ENTEGA im November 2017 mit Partnern ausgerichtete Event „Best of X – Smart Region“. Junge Gründer konnten hier gemeinsam mit erfahrenen ENTEGA-Mitarbeitern ganz unmittelbar und ergebnisorientiert neue Geschäftsideen entwickeln. Am Ende traten die Start-ups in einem Founders Fight mit ihren Ideen gegeneinander an. Gewinner war das Start-up evopark aus Köln mit seinen intelligenten Lösungen rund ums Parken.

Derzeit arbeitet ENTEGA mit fünf Start-ups zusammen, davon befinden sich drei Start-ups im Start-up-Programm.Eines dieser Unternehmen ist Sigo mit Büros in Wuppertal und Frankfurt am Main. Die Gründer haben ein Sharing- System für E-Bikes und E-Lastenräder erarbeitet, das individuell auf die Bedürfnisse von Unternehmen oder Privatpersonen zugeschnitten werden kann – von der Errichtung der Stationen bis zum Service, von der Buchung via App bis zur Instandhaltung.

Ein Gewinn ist das Start-up-Programm aber auch für ENTEGA selbst. Denn selbst wenn nicht gleich aus jeder Zusammenarbeit eine spätere Beteiligung erwächst – aus der Kooperation mit den Start-ups ergeben sich oftmals wertvolle Impulse. Gerade was die Experimentierfreude oder den Kundenfokus der Start-ups betrifft, können etablierte Unternehmen viel dazulernen. Das gilt zum Beispiel auch für die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Adaptive Balancing Power, das von ENTEGA Mitte 2017 eine finanzielle Förderung erhalten hat. Ein von dem Unternehmen entwickelter kinetischer Schwungmassespeicher reagiert auf Schwankungen der Stromnetzfrequenz – eine innovative Technologie, die dabei hilft, Stromnetze zu stabilisieren.

Wenn das Gründermodell funktioniert und die Technologie außerdem zum Geschäft der ENTEGA AG passt, dann kann die Zusammenarbeit der beteiligten Unternehmen unter Umständen sogar noch über eine Beteiligung weiter vertieft werden. Auf diese Weise können aussichtsreiche Start-ups auch für die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells der ENTEGA AG nützlich sein und neue Chancen eröffnen, wie im Fall des Darmstädter Unternehmens Luxstream, einem Spezialisten für LED-Leuchtmittel. Im April 2017 hat sich ENTEGA mit 25,1 Prozent an Luxstream beteiligt. „Wir erhoffen uns durch das Engagement deutliche Synergien, denn bis zum Jahr 2020 statten wir insgesamt 24.000 Straßenleuchten in der Region Darmstadt und Südhessen mit modernster LED-Technik aus“, sagte Dr. Marie-Luise Wolff, Vorsitzende des Vorstandes der ENTEGA AG, bei der Bekanntgabe der Beteiligung in Darmstadt.

DER RICHTIGE MIX FÜR DEN NÄCHSTEN HIT

Wer neue Ideen hervorbringen will, sollte sich mit anderen zusammentun. Gerade wenn eine Fülle von verschiedenen Erkenntnisse und Fähigkeiten, aber auch Nachwuchskräfte und erfahrene Mitarbeiter in einem Team zusammenkommen, ist der „kreative Output“ häufig am höchsten. Aber wie stellt man ein solches „ideales Team“ zusammen? Und wie bleibt es auf Dauer innovationsfreudig und kreativ?

Welche Rolle spielt die Zusammenstellung von Teams für den Erfolg einer Organisation oder eines Unternehmens? Diese Frage hat den US-Wirtschaftssoziologen Brian Uzzi beschäftigt. Sein Untersuchungsgebiet: der Broadway in New York und fast 500 Broadway-Musicals, die zwischen 1945 und 1989 dort aufgeführt wurden. Schließlich sind Kreativität und Erfolg dort besonders eng miteinander verbunden. Das Ergebnis seiner Forschungen: Ob ein Stück eher konventionell ausfällt oder innovativ und damit erfolgreich wird – das hängt vor allem davon ab, wie gut die Akteure innerhalb der kreativen Szene vernetzt sind. Denn gab es keinen oder nur geringen Austausch zwischen den Kreativen, gab es meist nur einen wenig erfolgreichen Abklatsch des bereits Gesehenen. Gab es hingegen zu viel Austausch und damit kaum Grenzen zwischen den Teams, ging die Kreativität ebenfalls zurück und alle machten schlicht dasselbe. Das „ideale Team“ ist daher nach Uzzi eine gut gemischte Gruppe – aus etablierten erfahrenen Kräften, einigen Neulingen, die eher unbefangen mit neuen Ideen umgehen, und aus Personen, die den Markt im Blick haben und wissen, was funktionieren kann. Aber: Ist die Arbeit des Teams vom Erfolg gekrönt, kommt es darauf an, das Team mutig wieder neu zusammenzustellen. Erfolgreiche Teams deshalb so zu belassen, wie sie sind, weil sie einmal erfolgreich waren – das ist ein Fehler, der auch am Broadway immer wieder vorgekommen ist.

02

BROADWAY

Der Broadway in New York ist legendär. Ob „The Lion King“, „The Phantom of the Opera“ oder „My Fair Lady“ – zahlreiche Stücke haben Geschichte geschrieben und verzaubern noch heute jedes Jahr viele Millionen Zuschauer. Allein 2017 betrug der Umsatz der Theater am Broadway mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar.

Der „Theater District“ in Manhattan ­beheimatet 41 Theater mit mehr als 500 Plätzen. Zählt ein Theater 100 bis 500 Sitze, spricht man von einem Off-Broadway-Theater. Liegt die Zahl der Plätze unter 100, dann ist von einem Off-Off-Broadway-Theater die Rede.

Jedes Theater führt ein Stück auf, dessen Spielzeitende in der Regel nicht festgelegt ist, sondern vom Erfolg beim Publikum abhängt.

Zu den gegenwärtig erfolgreichsten (und teuer­sten) Stücken am Broadway zählt „­Hamilton“ – das unter anderem mit dem Pulitzer-­Preis ausgezeichnete Musical erzielte 2017 rund ein Zehntel der Umsätze aller Theater am Broadway.

Im Durchschnitt kostete ein ­Ticket für die Show 358 US-­Dollar, die teuersten Tickets sogar knapp 850 US-Dollar. Das Stück wird seit 2015 im Richard Rodgers Theatre aufgeführt.


TEAMWORK

„Der zentrale Punkt aber ist: Das Schreiben einer Oper wie auch eines Musicals ist in höchstem Maße Teamarbeit. Wenn jemand ankommt mit einer Geschichte, die nicht funktioniert, dann kommt mein Kollege [...], um die Geschichte ‚aufzuschließen‘. Aber dann sind natürlich noch ein Autor involviert und ein Regisseur. Es geht nur in engster Teamarbeit.“

Andrew Lloyd Webber

Das Stück mit der längsten Spiel­dauer am Broadway heißt ­„The Phantom of the Opera“, ­„Das Phantom der Oper“. Seit nun schon drei Jahrzehnten wird es im Majestic Theatre gezeigt.

Bis Ende 2017 waren es genau 12.445 Vorstellungen. Und ein Ende ist nicht in Sicht!

Als das erste Musical im heutigen Sinne gilt das Stück „The Black Crook“. Es wurde am 12. September 1866 im Theater „Niblo’s Garden“ am Broadway uraufgeführt.

Das Theater ­verfügte damals über 3.200 Sitz­plätze und existiert heute nicht mehr.